Blutdruck-Leitlinien in Deutschland: Hochdruckliga & ESC

Zuletzt aktualisiert: August 2026

In Deutschland setzt die Deutsche Hochdruckliga (DHL) die obere Grenze des Normalbereichs bei 140/90 mmHg, wenn ein Arzt misst, und bei 135/85 mmHg für Werte, die du selbst zu Hause misst. Europaweit behält die ESC-Leitlinie von 2024 dieselbe Definition der Hypertonie bei – 140/90 oder höher – und ergänzt eine neue Kategorie „erhöhter Blutdruck“, die bei 120/70 beginnt.

Diese Seite führt durch beide Zahlenwerke und dahinter stehenden Herausgeber, durch die Selbstmessroutine, die die Hochdruckliga empfiehlt, durch das DHL-Prüfsiegel, auf das du beim Messgerät achten solltest, und durch die deutschen Notrufnummern. Kategorienamen und Grenzwerte unterscheiden sich von Land zu Land: Wenn du zwischen Deutschland und den USA pendelst, erklärt der Vergleichsabschnitt, wo die Zahlen auseinandergehen und warum.

Was in Deutschland als Bluthochdruck gilt

Die klinische Praxis in Deutschland folgt der europäischen Leitlinie: den ESC-Leitlinien 2024 zum Management von erhöhtem Blutdruck und Hypertonie, veröffentlicht von der European Society of Cardiology im European Heart Journal am 30. August 2024. Die Deutsche Hochdruckliga, die nationale Fachgesellschaft für Hypertonie, hat den Ansatz der neuen Leitlinie kurz nach deren Erscheinen öffentlich begrüßt. Die größte Änderung 2024 war eine vereinfachte, dreistufige Einteilung der Praxiswerte:

Praxismessung (mmHg)ESC-Kategorie 2024
Unter 120/70Nicht erhöht – kein erhöhtes blutdruckbedingtes Risiko, das behandelt werden müsste
120–139 systolisch und/oder 70–89 diastolischErhöhter Blutdruck – eine neue Kategorie, eingeführt, um Menschen mit Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko früher zu erkennen
140/90 oder höherHypertonie – die Definition selbst ist gegenüber früheren europäischen Leitlinien unverändert

Die Leitlinie von 2024 hat auch die Therapie verschärft: Für die meisten Patientinnen und Patienten unter blutdrucksenkenden Medikamenten gibt sie einen systolischen Zielbereich von 120–129 mmHg vor, sofern er vertragen wird – und ersetzt damit das ältere zweistufige Vorgehen (erst unter 140/90 kommen, dann optional weiter senken) durch ein standardmäßig intensives. Wer diesen Zielwert nicht verträgt, und ebenso gebrechliche oder ältere Patienten, sollen stattdessen so niedrig eingestellt werden, wie es sinnvoll erreichbar ist.

Die Patienteninformationen der Hochdruckliga nennen die praktischen Grenzwerte, die die meisten Patienten in Deutschland tatsächlich zu hören bekommen: Normaler Blutdruck endet bei 140/90 mmHg, wenn ein Arzt misst, und bei 135/85 mmHg in der Selbstmessung. Die DHL-Patientenseiten beschreiben außerdem weiterhin einen Bereich „hochnormal“ von 130–139 systolisch und/oder 85–89 diastolisch – die ältere europäische Einteilung, nicht die ESC-Kategorie „erhöhter Blutdruck“ von 2024, die der Leitlinie selbst entstammt. Das Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de, ein Angebot des Bundesministeriums für Gesundheit, zieht dieselbe Grenze bei 140/90 – und weist offen darauf hin, dass es sich um pragmatische Schwellenwerte handelt, weshalb die Empfehlungen zum Beginn einer Medikation auseinandergehen.

Es geht dabei in Deutschland um viel: Laut Hochdruckliga haben rund 20 Millionen Menschen im Alter von 30 bis 79 Jahren – etwa 36 % dieser Altersgruppe – Bluthochdruck, jeder Fünfte weiß nichts davon, und nur etwa die Hälfte der Fälle ist gut eingestellt.

Die Heimmesswerte, denen die Hochdruckliga vertraut

Werte, die du zu Hause misst, fallen niedriger aus als Praxiswerte – deshalb wandert die Grenze mit: In der Selbstmessung beginnt Bluthochdruck bei 135/85 mmHg statt bei 140/90. Ein Heimdurchschnitt von 135/85 oder darüber ist der Wert, den du deinem Arzt zeigen solltest.

Die Messroutine der Hochdruckliga ist genau festgelegt:

  • Fünf Minuten sitzend ruhen, bevor du misst – während der Ruhephase und der Messung nicht sprechen, kein Handy, kein Fernseher.
  • Morgens und abends messen, täglich, sieben Tage lang – bei der Diagnosestellung oder nach einer Umstellung der Medikamente. Sind deine Werte stabil, reicht weniger: zum Beispiel eine Woche mit zwei Messungen täglich pro Monat. Die DHL verweist außerdem auf die Empfehlung von ESC/ESH, vor jedem Arztbesuch an mindestens 3, besser 6 bis 7 Tagen morgens und abends zu messen.
  • Vor der Einnahme der Blutdruckmedikamente messen, nicht danach.
  • Manschette richtig anlegen: Eine Oberarmmanschette sitzt zwei Fingerbreit über der Ellenbeuge, so fest, dass noch ein bis zwei Finger darunter passen – und die Manschette gehört, besonders beim Handgelenkgerät, auf Herzhöhe.
  • Nimm den richtigen Arm: Miss zu Beginn an beiden Armen und nutze danach immer den Arm mit den höheren Werten.

Zum Festhalten gibt die DHL einen kostenlosen Blutdruckpass heraus – als ausfüllbares interaktives PDF und als Druckversion, dazu ein passendes 7-Tage-Tagebuch für das Protokoll mit zwei Messungen täglich. Unsere Anleitung zum Messen geht dieselbe Vorbereitung Schritt für Schritt durch, und der Leitfaden zur Blutdrucktabelle zeigt, was du festhalten solltest – auf Papier oder in einer App –, damit dein Arzt einen Durchschnitt bekommt und keine Anekdote.

Ein Messgerät mit DHL-Prüfsiegel wählen

Deutschland hat eine eigene Antwort auf die Frage „Welchem Messgerät kann ich trauen?“: das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga, das die Messgenauigkeit von Heimmessgeräten durch Prüfungen unabhängiger Institute bescheinigt. Der Unterschied ist wichtig, denn – so die Hochdruckliga – garantiert das CE-Kennzeichen nach Medizinprodukterecht für sich genommen keine Messgenauigkeit; nach Angaben der DHL zeigen viele automatische Geräte bei jeder vierten bis sechsten Messung Abweichungen von bis zu 10 mmHg.

Das Prüfprotokoll ist anspruchsvoll: mindestens 96 Testpersonen aus drei Altersgruppen (die Hälfte davon Frauen), Handgelenkgeräte zusätzlich an 20 Menschen mit Diabetes geprüft, ein eigener Protokollteil für die Anwendung in der Schwangerschaft und Vergleichsmessungen durch zwei unabhängige Beobachter.

Die DHL führt eine Liste der geprüften Geräte (PDF) – geordnet nach Jahr, Bauart (Oberarm oder Handgelenk), Hersteller und Modell, zurück bis 2005 – sowie eine Informationsseite zu Messgeräten. Ein Oberarmgerät ist für die meisten die nachsichtigere Wahl: Ein Handgelenkgerät kann ebenso genau sein, aber nur, wenn es exakt auf Herzhöhe gehalten wird – noch eine Sache, die man zweimal täglich falsch machen kann. Unser Vergleich der Messgerätetypen wägt sie im Detail ab.

Wie sich die deutschen Grenzwerte zu den US-Werten verhalten

Der wichtigste Unterschied: Die US-Leitlinien (ACC/AHA, 2017 festgelegt und von der AHA/ACC-Leitlinie 2025 unverändert übernommen) definieren Bluthochdruck ab 130/80 mmHg, Deutschland und die ESC dagegen ab 140/90. Ein Praxiswert von 135/85 ist für einen amerikanischen Kardiologen „Hypertonie Stufe 1“ und für einen deutschen noch unterhalb der Diagnosegrenze.

Der Abstand ist allerdings kleiner, als er wirkt. Die ESC-Kategorie „erhöhter Blutdruck“ von 2024 (120–139/70–89) deckt genau den Bereich ab, den die USA als Stufe 1 bezeichnen, und die neue europäische Leitlinie empfiehlt darin eine risikobasierte Behandlung – eine Richtung, die die Hochdruckliga ausdrücklich begrüßt hat. Beide Systeme sind sich inzwischen einig, dass dieser mittlere Bereich Aufmerksamkeit verdient; uneinig sind sie sich darüber, wie er heißt. Keines von beiden liegt falsch: Sie ziehen die Behandlungsgrenze nur an unterschiedlichen Punkten derselben Risikokurve.

Die App Blutdrucktagebuch ist standardmäßig auf die ACC/AHA-Bereiche eingestellt – unter 120/80 normal, ab 130/80 Hypertonie – und ihre Klassifikationsbereiche sind anpassbar: Wenn dein Arzt nach den deutschen Grenzwerten arbeitet, kannst du die App entsprechend einstellen – 140/90 als Hypertoniegrenze oder 135/85, wenn sie den Grenzwert der Selbstmessung abbilden soll. Welche Bereiche du auch anzeigst: Die Zahl, über die du mit einem deutschen Arzt sprechen solltest, ist ein Heimdurchschnitt von 135/85 mmHg oder darüber. Das vollständige Bild Kategorie für Kategorie findest du in der Blutdruck-Tabelle nach Alter.

Wann ein Messwert in Deutschland ein Notfall ist

Ein einzelner hoher Wert ist meist ein Anlass, sich ruhig hinzusetzen und noch einmal zu messen, kein Grund zur Panik. Die verbreitete Faustregel: Über 180/120 mmHg nach einigen Minuten erneut messen – und wenn der Wert so hoch bleibt und Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot, Schwäche oder Sehstörungen auftreten, sofort den Notdienst rufen. Die Hochdruckliga zieht ihre eigene harte Grenze noch höher: Ab 220/120 mmHg sofort einen Arzt aufsuchen.

Die Nummern, die man in Deutschland kennen sollte:

  • 112 – die Notrufnummer für lebensbedrohliche Situationen (Rettungsdienst).
  • 116117 – der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: für Beschwerden, mit denen du sonst in eine Praxis gehen würdest, wenn die Praxen geschlossen sind. Er ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar – die richtige Wahl bei einer dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Sorge um den Blutdruck.

Bluthochdruck ohne Symptome ist selten ein Notfall, auch wenn die Zahl erschreckend aussieht – aber immer ein Grund, in den folgenden Tagen sorgfältig zu messen und mit dem Durchschnitt in der Hand mit deinem Arzt zu sprechen.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Blutdruck spricht man in Deutschland von Bluthochdruck?

Ab 140/90 mmHg, wenn ein Arzt misst – der Grenzwert, den die Deutsche Hochdruckliga, das Bundesportal gesund.bund.de und die ESC-Leitlinie 2024 gleichermaßen verwenden. Für Werte, die du selbst zu Hause misst, liegt die Grenze niedriger: 135/85 mmHg, weil Heimwerte niedriger ausfallen als Praxiswerte.

Was ist das Prüfsiegel der Hochdruckliga?

Ein Siegel der Deutschen Hochdruckliga, das einem Blutdruckmessgerät für zu Hause eine genaue Messung bescheinigt – auf Basis unabhängiger Prüfungen mit mindestens 96 Testpersonen und damit strenger als das CE-Kennzeichen, das für sich genommen keine Messgenauigkeit garantiert. Die DHL veröffentlicht die Liste der geprüften Geräte als PDF, geordnet nach Jahr, Bauart und Hersteller.

Was ist ein Blutdruckpass und wo bekomme ich einen?

Ein Blutdruckpass ist ein kleines Heft für deine Messwerte, das du zu Terminen mitnimmst. Die Deutsche Hochdruckliga bietet ihn kostenlos zum Herunterladen an – als interaktives, ausfüllbares PDF und als Druckversion. Eine App erledigt dieselbe Aufgabe, mit Diagrammen und Durchschnittswerten von Haus aus – siehe unseren Leitfaden zur Blutdrucktabelle.

Hat die ESC-Leitlinie 2024 die Definition der Hypertonie geändert?

Nein – Bluthochdruck beginnt weiterhin bei 140/90 mmHg. Geändert hat sich alles darum herum: eine neue Kategorie „erhöhter Blutdruck“ (120–139 systolisch und/oder 70–89 diastolisch), um Risiken früher zu erkennen, und ein ehrgeizigeres Therapieziel von 120–129 mmHg systolisch für die meisten Patienten unter Medikation, sofern es vertragen wird.

Wann sollte ich wegen des Blutdrucks 112 wählen?

Wähle 112, wenn ein sehr hoher Wert mit Symptomen einhergeht – Brustschmerzen, Atemnot, Schwäche oder Sehstörungen – oder in jeder Situation, die sich lebensbedrohlich anfühlt. Wenn ein Wert über 180/120 auch beim Nachmessen hoch bleibt, du dich aber wohlfühlst, oder wenn du außerhalb der Sprechzeiten unsicher bist, was zu tun ist, ist 116117 (der ärztliche Bereitschaftsdienst) die kostenlose, rund um die Uhr erreichbare Nummer für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Anliegen. Die eigene Regel der Hochdruckliga: Ab 220/120 mmHg sofort einen Arzt aufsuchen.

Quellen

Blutdruck-Ratgeber

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